Über Friedrich Schiller wird berichtet, dass er beim Studieren und Schreiben einen Apfel in einer Schublade des Schreibtisches aufbewahrte, der ein Methangas verbreitete; dieses soll Friedrich Schiller inspiriert haben.

In seiner Schrift »Über naive und sentimentalische Dichtung« (1795) grenzt Schiller zwei unterschiedliche Arten zu schreiben voneinander ab. Den eher an der konkreten Erfahrung orientierten Schriftsteller nennt er den naiven, den anderen Typen den sentimentalischen Dichter. Der naive Dichter folgt beim Arbeiten der "einfachen Natur und Empfindung" und beschränkt "sich bloß auf Nachahmung der Wirklichkeit". Er hat "auch nur ein einziges Verhältnis" zu seinem Gegenstand und es gibt "für ihn keine Wahl der Behandlung". Schiller nennt als Beispiele Homer, Shakespeare und meint unausgesprochen auch Goethe.

"Ganz anders verhält es sich mit dem sentimentalischen Dichter. Dieser reflektiert über den Eindruck, den die Gegenstände auf ihn machen, und nur auf jene Reflexion hin ist die Rührung gegründet, in die er selbst versetzt wird und uns versetzt. Der Gegenstand wird hier auf eine Idee bezogen". Mit der Spannung, den "streitenden Vorstellungen und Empfindungen" zwischen Idee und Wirklichkeit hat er zu ringen. Diesem Dichtertyp würde sich Schiller selbst zuordnen.

 Ein schönes persönliches Beispiel für gegensätzliche Stile aus der deutschen Geistesgeschichte ist deshalb das Verhältnis von Goethe und Schiller. Schiller und Goethe haben die Differenz, die ihnen dieser Unterschied bereitete klären können.

Nachdem beide Dichter längere Zeit auf Distanz gewesen waren, kam es zu einer Aussprache, nach der der »intuitive Stil« Goethes und der »diskursive Stil« Schillers kein Hemmnis mehr für die dann folgende zehnjährige Zusammenarbeit darstellte. Einem ausführlichen Brief Schillers vom 23. August 1794, in dem er den Unterschied zwischen den beiden Schriftstellern »auf den Begriff bringt«, antwortete Goethe am 27.8.1794: "Reiner Genuß und wahrer Nutzen kann nur wechselseitig sein (...). Haben wir uns wechselseitig die Punkte klar gemacht (...), so werden wir ungebrochener gemeinschaftlich arbeiten können".

Schiller mit seiner eher spekulativen Art und Goethe mit seinem intuitiven Geist haben den Unterschied nicht mehr als Hindernis empfunden und intensiv zusammengearbeitet. Dies ist ein Beispiel für das Auftreten eines kognitiven Konfliktes, der mit Metakognition und -kommunikation geschlichtet und für die weitere Zusammenarbeit fruchtbar gemacht wurde.